Eigentlich wollte ich heute über ein anderes Thema schreiben. Doch es gibt diese seltenen Momente im Stuttgarter Landtag, die eine solche Wucht entwickeln, dass sie alles andere in den Schatten stellen. Wer den Auftritt meiner Kolleginnen Sarah Hagmann und Marilena Geugjes am vergangenen Donnerstag miterlebt hat, sah mehr als nur eine messerscharfe Analyse wirtschaftlicher Realitäten: Er erlebte, wie pure Sachkenntnis tiefe Risse in den Beton veralteter Dogmen gerammt hat.
Diese Bruchstellen in der scheinbar einzementierten Erzählung der CDU als „Wirtschaftspartei“ sind entlarvend. Dass die Union auf fundierte Kritik nur noch mit herablassenden Zwischenrufen wie „Nullnummer“ reagieren kann, verrät mehr über den Zustand dieser Partei als jeder Hochglanz-Flyer: Der Stachel sitzt tief – und zwar genau dort, wo es wehtut: bei der vermeintlichen Kernkompetenz.
Wenn Politik zur Brechstange wird
Dem vorausgegangen waren Vorschläge aus der CDU, ihrer Mittelstandsunion (MIT), dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel sowie dem Wirtschaftsrat der CDU e.V., die das Recht auf Teilzeit einschränken, Zahnbehandlungen privatisieren, die Rente nach hinten schieben und die Arbeitszeit per Dekret nach oben schrauben wollen. Als der öffentliche Druck zu groß wurde, versuchte die Spitze der CDU, ihre eigenen Forderungen hastig abzuräumen: schnell relativiert, halb zurückgezogen, so getan, als handele es sich um missverstandene Einzelstimmen.
Dass Thorsten Frei, dem Chef des Bundeskanzleramts, bei Maybrit Illner jedoch der Satz herausrutschte, dass diese Vorschläge direkt „aus der Mitte der Partei“ kommen, war der entscheidende Offenbarungseid. Denn was hier als Wirtschaftspolitik verkauft wird, ist kein Ausrutscher, sondern Ausdruck eines Denkens, das tief in der Partei verankert ist. Kein Irrläufer, kein Randaspekt – sondern der harte Kern der unionsgeführten Zukunftsverweigerung.
Anstatt die Wirtschaft durch Innovation und echte Gleichberechtigung atmen zu lassen, will die Union sie in das enge Korsett des letzten Jahrhunderts zwängen. Es ist der Versuch, die eigenen Fehlstellen bei Investitionen durch den physischen Verschleiß der Menschen zu kompensieren. Arbeit wird nicht neu organisiert, sondern verlängert; Probleme werden nicht gelöst, sondern auf die Rücken, Zeitkonten und die Gesundheit derjenigen geschoben, die das System ohnehin tragen. Das ist kein „ordentliches Wirtschaften“, das ist das ideologische Zubetonieren unserer gesellschaftlichen Potenziale.
Mehrarbeit ist nicht gleich mehr Arbeit
Wer heute noch glaubt, man könne Fachkräftemangel oder Wachstum durch reines „Mehr-Arbeiten“ lösen, hat die moderne Ökonomie nicht verstanden. Wertschöpfung entsteht 2026 durch kluge Strukturen, Flexibilität und Lebensqualität – nicht durch Erschöpfung. Während wir über KI-Effizienz, Digitalisierung und echte Produktivitätsgewinne sprechen müssten, lautet der zentrale Impuls der CDU: Schuftet länger. Doch mehr Arbeitsstunden bedeuten in einer Wissensgesellschaft aber nicht automatisch mehr Ertrag – sie bedeuten oft nur mehr Burnout und weniger Raum für Innovation.
Der volle Tresor der unerfüllten Versprechen
Besonders zynisch wird es beim Blick auf die Finanzen. Wir erleben derzeit ein bizarres Schauspiel: Die Staatskassen sind durch das kluge Öffnen der Schuldenbremse und die geschaffenen Sondervermögen so gut gefüllt wie nie zuvor. Das Geld für die große Transformation, für moderne Bildung und ein starkes Gesundheitssystem ist vorhanden. Doch anstatt dieses Kapital als Treibstoff für die Zukunft zu nutzen, inszeniert die CDU eine künstliche Dürre.
Es ist nicht so, dass die Union kein Geld ausgibt – sie investiert es bloß konsequent in die falschen Projekte. Die Union sitzt auf den Mitteln wie Dagobert Duck auf seinem Geldspeicher: Den Schlüssel nutzt sie nur für Projekte von gestern, während sie den Menschen von heute erklärt, sie müssten für 'die Wirtschaft' und deren Erfolg bluten. Das ist kein „ordentliches Wirtschaften“. Es ist eine bewusste politische Entscheidung: Wer hat, dem wird gegeben; wer wenig hat, dem wird auch noch das Letzte genommen. Das ist Klassenpolitik mit Buchhalter-Maske.
Im Riss wächst die Zukunft
Warum reagiert die Union also so dünnhäutig auf meine Kolleginnen? Weil sie eine Wirtschaftspolitik repräsentieren, die den Menschen nicht als bloße Stellschraube in einer Bilanz sieht, sondern als deren Fundament. Wenn fundierte Fakten auf veraltete Ideologien treffen, wird es für die CDU ungemütlich - leider immer noch ein Stück mehr, wenn diese von klugen Frauen kommt. Moderne Ökonomie bedeutet heute allerdings zu erkennen, dass Investitionen in Bildung, echte Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit und ein stabiles soziales Netz die wahren Motoren für langfristigen Wohlstand sind. Der Mensch ist keine Ressource, die man in Krisenzeiten einfach „stärker auspressen“ kann.
Befreit den Strand
Die Entscheidung bei der Landtagswahl ist auch eine Entscheidung über die Art, wie wir Wirtschaft begreifen: als selbstzweckorientierte Maschine oder als lebendiges Gefüge menschlicher Potenziale. Die CDU in Baden-Württemberg unter Manuel Hagel steht ideologisch für die Brechstange der Vergangenheit: Mehr Druck, weniger Sicherheit, mehr Belastung für die Vielen. Sie fürchtet den Strand.
Wir hingegen haben den Mut zur echten Gestaltung. Wir haben den Plan, die Mittel und die Köpfe, um dieses Land zukunftsfest zu machen – mit einer Wirtschaft, die dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Daher bin ich Sarah Hagmann und Marilena Geugjes dankbar. Sie zeigen uns den Strand, die Freiheit und was ein modernes Morgen bedeutet.